So, bevor Dejan wieder mit dem Psychoterror beginnt schreibe ich jetzt freiwillig wieder mal was. Und zwar zu meinem Lieblingsthema: der Musikindustrie.
Die Musikindustrie hats immer noch nicht kapiert. Der iTunes Shop von Apple ist ein riesiger Erfolg und bis auf ein paar Unterschriften mussten die Labels dazu nichts, gar nichts machen und verdienen tun sie, erwiesenermassen, mehr als jemals mit CDs oder Platten. 70 Prozent der Einnahmen kriegen die Labels. Aber hey, da steckt doch sicher noch mehr Geld drin. Einige der Labels wollten deshalb die Preise im iTunes Shop erhöhen. Um läppische 50%. Oder mal experimentieren wie hoch sie gehen können ohne allzuviele Kunden zu verlieren.
Was sie nicht bedacht haben ist die Tatsache, dass ein grosser Teil der Attraktivität des Shops das einheitliche und kundenfreundlich günstige Preismodell ausmacht. Wenn einzelne Songs mehr kosten fangen die Leute wieder an nach der billigsten Quelle zu suchen und landen früher oder später wieder bei den illegalen Tauschbörsen. Das hat Steve Jobs, der grosse Visionär bei Apple, zum Glück auch realisiert und der Musikindustrie verklickert [Keine Preiserhöhung bei iTunes].
Zur Thematik “Geldgierige Musikindustrie” habe ich mich kürzlich auch mit ein paar Leuten aus aller Welt im IRC Netz unterhalten. Hier einige Ausschnitte davon:
- Viele gaben zu Musik downzuloaden, als Gründe gaben sie an dass ein Grossteil der Musik in keinem Laden in ihrer Nähe auch nur dem Namen nach bekannt wäre und dass sie, als Minderjährige, auch keine Kreditkarte kriegen könnten um in Netz einzukaufen. Dieselben Leute gaben aber auch an CDs zu kaufen, wenn die Preise stimmen. Zum Teil sogar ganze Discographien. Vielfach wird das dann an Konzerten gemacht, da dort der Kontakt zum Künstler direkter ist, die CDs meist relativ günstig und die Künstler kriegen auch noch mehr davon als wenn die CD im Shop gekauft wird.
- Die meisten Künstler kriegen von einer CD die für 20 Euro verkauft wird weniger als 10% des Verkaufspreises. Schlicht eine Schweinerei.
- Das Versprechen der Musikindustrie, die Einführung der CD würde die Preise senken war ein leeres Versprechen. In Wirklichkeit wurden die Preise ständig erhöht.
- Viele nutzen das Internet um ihren musikalischen Horizont zu erweitern. Dazu hören sie sich oft CDs von Bands an, die sie etwas mögen, bis sie über diesen Umweg dann musikalisch verwandte Bands finden, welche sie grossartig finden. Und dann auch die CDs kaufen.
- Viele erklärten auch, es wäre schön, den Künstlern direkt Geld zukommen zu lassen und sicher zu sein, dass das Geld nicht die unsinnigen Werbekampagnen und Retortenmusiker der Industrie mitfinanziert. Ein ironischer Vorschlag dazu war, der Band eine CD-R und 10 Euro zu schicken. ;)
- Ausserdem finden einige, dass es keine Rolle spielt ob der Künstler bei einem Majorlabel jetzt -.25 Euro mehr oder weniger kriegt wenn sie die CD kaufen. Bei einer Indieband die dann einige Euro davon sieht hingegen schon.
- Musik ist kulturelles Gedankengut. Je mehr sie verbreitet wird, desto mehr beinflusst sie andere Musik. Das sollte eigentlich im Interesse der Künstler liegen. Deshalb sollten wir ein System haben, das kreative Leute unterstützt statt sie auszubeuten. Und Retortenkünstler tragen zu diesem Prozess überhaupt nichts bei. Die Majors sollen aufhören Geld dafür zu verbraten und lieber die Kultur fördern.
- Das Internet macht die ganze Marketingmaschinerie der Musikmultis obsolet. Seiten wie Audioscrobbler, Last.fm, Pandora oder auch Amazons “Leute die das gekauft haben, haben auch … gekauft” sind tausendmal besser und spezifischer als die gigantischen Werbeaktionen der Majors. Die Werbung kommt in Form von Empfehlungen zugeschnitten auf den persönlichen Geschmack und das praktisch ohne Werbekosten. Die Multis und die RIAA wissen das, wollen es aber immer noch nicht zugeben. Irgendwie verständlich wenn man nur noch existiert um die eigene Existenz zu rechtfertigen.
- Lawrence Lessig beschreibt in Free Culture das Zusammenspiel zwischen Copyright, Technologie und Politik und erklärt wie das Copyright sich anpassen sollte, wenn die Technik rundherum sich ändert. Dazu gibts Beispiele wie sich das dauernd ändert. Er erklärt auch wie obsolete Industriezweige verzweifelt ihren Standpunkt verteidigen und dass es die Aufgabe der Regierung wäre diese durch eine neuere, effizientere Industrie zu ersetzen.